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Reality Check: 1 Jahr mit KI in einer ganz normalen Agentur

Vortrag beim BDG-Feierabend on air

Jakob Maser Vortrag KI in einer ganz normalen Agenutur beim BDG Feierabend
Bild generiert mit Midjourney

Der BDG-Feierabend ist ein Online-Format des Berufsverbands Kommunikationsdesign, in dem Designschaffende ihre Perspektiven auf den Beruf und ihre Arbeitsweisen vorstellen. Mein Vortrag „Reality Check: 1 Jahr mit KI in einer ganz normalen Agentur“ am 15.11. setzte sich mit der rasanten Entwicklung der Künstlichen Intelligenz (KI) auseinander und beleuchtete den Umgang damit bei LIVING CONCEPT.

Im Herbst 2022 verließ KI die Nerd-Nische und war plötzlich allgegenwärtig. Die Technologie entwickelte sich seither rapide weiter, jedoch bleiben viele Fragen unbeantwortet. Mit einem persönlichen Rückblick auf unser erstes Jahr mit KI wollte ich Erfahrungen teilen und die Grundlage für einen intensiven Erfahrungsaustausch schaffen.

2022: Erster Kontakt mit KI

Meine aktive Auseinandersetzung mit KI begann mit dem Wunsch nach einem Artwork für mein Album. Mir schwebte eine Illustration im Stil von Sci-Fi-Taschenromanen vor. Eine „richtige“ Illustration wollte ich mir jedoch dafür nicht leisten (da ich schon einiges in die Produktion investiert hatte). Inspiriert von einem Blog-Beitrag, in dem ein Künstler vorgestellt wurde, der Sci-Fi-Cover mit KI generiert hat, wagte ich mich im Oktober 2022 erstmals an diese Technologie heran

Nachdem ich die Anmeldung über Discord gemeistert hatte und das Bedienungskonzept über einen Chat in Grundzügen begriffen hatte, begeisterten mich die Ergebnisse von Midjourney. Das war schon sehr nah an dem, was ich mir vorgestellt hatte. Kurz darauf bekam ich von einem anderen Musiker KI-generierter Bilder, die ich für das Artwork für sein Album nutzen sollte … da spürte ich, es braut sich etwas zusammen.

Die erste Hürde – sich bei den Apps zu registrieren und anzumelden – erschien jedoch nicht nur mir sehr hoch zu sein. In meinem Team bei LIVING CONCEPT waren zu diesem Zeitpunkt zwar einige interessiert, aber noch niemand hatte sich konkret damit beschäftigt. Deshalb organisierte ich einen ersten Workshop, um gemeinsam einige Tools auszuprobieren. Schnell fingen einige Feuer und experimentierten mit DALL-E und Midjourney eigenständig weiter.

Ein paar Tage später wurde ChatGPT veröffentlicht und der KI-Hype legte noch einmal an Tempo zu.

2023: Fahrt aufnehmen

Für 2023 setzten wir bei LIVING CONCEPT das Thema KI als einen von vier Schwerpunkten auf die Jahresagenda. Ich begann mich tiefer mit dem Thema zu beschäftigen, zum Beispiel mit dem Buch „Design und künstliche Intelligenz“ oder durch Teilnahme an verschiedenen Webinaren und Online-Konferenzen. Vor allem der Vortrag von Prof. Peter Kabel auf der Moonova beeindruckte mich, da er das Thema sehr gut in einen größeren Zusammenhang einordnete.

Im April organisierte ich dann einen weiteren KI-Workshop für mein Team, zu dem ich auch Studierende aus meinem Seminar an der Münster School of Design einlud. Dort versuchte ich – bevor es wieder ans Ausprobieren und Experimentieren ging – den Stand bei LIVING CONCEPT und die Entwicklung seit dem letzten Workshop darzustellen, sowie Einsatzbereiche im Agenturalltag zu definieren, zum Beispiel im Content- und Performance-Marketing, bei Social Media oder in der Kreation. Dazu ergänzte ich noch ein paar Tipps und Tools fürs Prompting.

In unseren monatlichen Agenturmeetings wurde KI ein regelmäßiger Punkt. Dort stellten wir erfolgreiche Beispiele und Fehlschläge vor, und erläuterten den Weg dorthin.

Im Laufe des Jahres wurde Künstliche Intelligenz Bestandteil unserer „normalen“ Grafikwerkzeuge und – vor allem im Social-Media-Team – ein fester Bestandteil unserer Abläufe. Jedoch wurde auch klar, dass wir auch rechtliche und ethische Fragen beantworten und eine Haltung zum Umgang mit KI formulieren müssen.

Zwischenstopp

Mit einem „KI-Hothouse“ zogen wir abteilungsübergreifend ein Zwischenfazit. Wir sammelten offene Fragen und Ideen für nächste Schritte. Denn die Entwicklung schreitet rasend schnell voran und es gibt Bereiche in unserer Agentur, wie die Recherche und Produktion, in denen wir KI bislang kaum einsetzen.

Jedoch ist KI nicht die einzige Herausforderung, der sich Agenturen derzeit stellen müssen. Weitere technologische Treiber von Veränderung sind der Shift von Print zu digitalen Medien (auch AR, VR oder MR) oder die wachsende Bedeutung von Datenanalyse und datengestützten Designentscheidungen. Dazu kommen die steigenden Ansprüche nach Nachhaltigkeit und Verantwortung, die sich unter anderem in multikultureller Kommunikation, Datenschutz und Ethik spiegeln. Ebenso ändert sich das Verhalten der Menschen, Mediennutzung erfolgt zunehmend mobil, situationsabhängig und individualisiert und ist längst keine Einbahnstraße mehr. User Generated Content wird ein großes Thema werden, gerade im Zusammenspiel mit KI. Dies alles führt zu steigender Komplexität, die sich unter anderem in anspruchsvollerer Kommunikation im Team und mit Auftraggebenden zeigt.

Die Reaktion darauf muss die Ebenen Strategie, Struktur und Kultur mit ihren Besonderheiten berücksichtigen. Strategische Entscheidungen können vergleichsweise schnell getroffen werden, dazu passende Strukturen aufzubauen dauert jedoch schon länger. Und eine passende Kultur zu entwickeln ist definitiv ein Marathon und kein Sprint. Auf KI bezogen heißt das: Loslegen, Anwendungen suchen und den Einsatz forcieren und vor allem: dran bleiben.

Die Reaktion der mehr als 60 Zuhörenden war sehr positiv, vor allem der ehrliche Einblick in die Praxis und das offene Zugeben von Lücken und offenen Fragen regte anschließend zur Diskussion ein. Danke an den BDG für die Einladung zu diesem Vortrag.

Video-Mitschnitt des BDG

BDG-Feierabend on air: KI – Reality Check from BDG on Vimeo.