Zwischen Patina und kontrollierter Unschärfe
Mit Planet Down erscheint das erste vollständige Album meines Projekts Downslow – ein neun Tracks umfassendes Werk, produziert von Tobias Langela und erschienen auf dem Münsteraner Label Trust in Wax (Antitype) im Jahr 2024.
Für das Artwork habe ich eine visuelle Sprache entwickelt, die sich an der Ästhetik klassischer Science-Fiction-Illustrationen der 1960er/70er Jahre orientiert, ohne ins Nostalgische oder Reproduktive zu verfallen. Der malerische Look wurde mit Midjourney v2 generiert, gezielt gewählt, um Formen bewusst unvollständig zu lassen und durch atmosphärische Körnigkeit und Patina Assoziationsräume zu öffnen. Diese Offenheit im Bild spiegelt die musikalische Struktur des Albums wider: weitgehend instrumental, rhythmisch eher suggestiv als narrativ, mit Raum für subjektive Interpretation.
Visuell strebt das Artwork keine naturalistische Darstellung an, sondern setzt auf abstrahierte Motive und inhaltiche Unschärfen, die den dystopischen Charakter der Klanglandschaften aufnehmen. Der gezielte Einsatz von generativer KI dient hier nicht der „perfekten“ Reproduktion, sondern als gestalterisches Mittel, Brüche, Patina und Unschärfen bewusst zu integrieren – ein Pendant zu den texturlastigen, dub- und electronica-inspirierten Klängen des Albums.
Planet Down ist als Doppel-Vinyl und digital erhältlich und markiert in seiner Gesamtheit eine Auseinandersetzung mit Visuellem und Musikalischem als kohärentes Gestaltungsfeld – nicht als separate Disziplinen, sondern als sich gegenseitig bedingende Ausdrucksformen
Downslow – Planet Down
tiw#19 · Trust in Wax (Antitype) · 2024 · Album | 2 × 12″ Vinyl, Digital
Singles und Reproduzierbarkeit des Looks
Kurz vor Veröffentlichung entstand die Idee, die Albumtracks zusätzlich als digitale Singles mit Remixen zu publizieren. Dafür sollten eigenständige Motive entwickelt werden, die dennoch im visuellen Kosmos des Albums verankert bleiben. Zu diesem Zeitpunkt arbeitete Midjourney bereits mit Version 6 – technisch ausgereifter, detailpräziser, kontrastreicher. Für das gewünschte Ergebnis erwies sich diese Perfektion jedoch als hinderlich.
Ich griff daher bewusst wieder auf Version 2 zurück. Entscheidend war nicht technische Qualität, sondern kontrollierte Unschärfe: Formen sollten im Ungefähren verbleiben, Kanten nicht vollständig ausdefiniert sein. Gerade die leichte Instabilität in Textur, Körnung und Lichtführung erzeugt jene Patina, die Assoziationsräume öffnet. Dieser gestalterische Ansatz spiegelt die musikalische Haltung des Albums – Reduktion, Wiederholung, Raum für Projektion. Imperfektion wird hier nicht als Mangel verstanden, sondern als strukturgebendes Element.











