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Downslow × Atwashere – Dev

Downslow x Atwashere: Dev Artwork

Vinylpostkarte als mediale Selbstreferenz

Dev erschien als Promo-Release im Format einer Vinylpostkarte. Das Objekt verbindet gedruckte Karte und gepresste Rille und positioniert sich damit zwischen grafischem Kommunikationsmittel und Tonträger. Anders als eine klassische 7”-Single ist die Vinylpostkarte kein audiophiles Endformat, sondern ein zirkulierendes, adressierbares Objekt – gedacht für gezielte Distribution im Szene- und Plattenladenkontext.

Labelästhetik statt Bildmotiv

Gestalterisch wurde bewusst auf ein klassisches Bildmotiv verzichtet. Stattdessen übernimmt das Design die visuelle Logik eines historischen Vinyl-Labels. Die Kreisform dominiert die Fläche; Typografie und Information sind radial organisiert. Das Objekt soll als Schallplatte gelesen werden – nicht als illustrierte Postkarte.

Die vertikale Zweiteilung in Gelb und Creme zitiert Pressungsästhetiken der 1960er/70er Jahre, ohne konkrete Vorbilder zu kopieren. Das kräftige Gelb fungiert als visuelles Signal im Promo-Kontext und erzeugt einen klaren Kontrast zur schwarzen Rille. So entsteht eine eindeutige Hierarchie zwischen Trägermedium und Informationsfläche.

Kontrollierte Simulation von Druckunregelmäßigkeit

Die Typografie orientiert sich an klassischer 45rpm-Labelgestaltung. Leichte Unschärfen, minimale Imperfektionen und eine bewusst reduzierte Druckanmutung wurden digital erzeugt, um historische Offset- oder Siebdruckqualitäten zu referenzieren.

Dabei geht es nicht um Nostalgie, sondern um Materialität: Die simulierten Druckabweichungen übersetzen analoge Produktionsbedingungen in eine zeitgenössische, digitale Gestaltungspraxis. Die Oberfläche wirkt gealtert, bleibt jedoch klar lesbar und funktional.

Format als struktureller Parameter

Aufgrund der begrenzten Spieldauer – insbesondere bei bassbetonter Musik – wurde eine verkürzte „Short Vinyl Version“ produziert. Zwei längere Fassungen ergänzen das Release digital. Die technische Limitierung des Formats wurde somit nicht als Defizit verstanden, sondern als konzeptioneller Rahmen.

Inhaltlich spiegeln die beiden Versionen die Ausrichtung der Trust-in-Wax-Sublabel wider: Atwashere betont die ruhigeren, atmosphärischen Elemente (Nice One), während meine Fassung stärker rhythmisch und digital geprägt ist (Antitype). Die Vinylpostkarte fungiert dadurch als komprimierte Repräsentation der Labelästhetik.

Analoge Referenz im digitalen Umfeld

Dev entstand in Zusammenarbeit mit Vinylpostcards, einem österreichischen Anbieter von abspielbaren Postkarten. Das Format verbindet gedruckte Karte und gepresste Rille in einem Objekt und knüpft damit sowohl an die historische Kurzkorrespondenz der Postkarte als auch an Werbeformate wie Flexi Discs an.

Die Distribution erfolgte gezielt über Plattenläden und Szene-Kontakte – als physisches, zirkulierendes Objekt im Umfeld einer überwiegend digitalen Veröffentlichungspraxis.

Downslow x Atwashere "Dev" Vinylpostkarte

Downslow meets Atwashere – Dev
tiw#20 · Trust in Wax · 2023 · Single | Vinyl Postcard, Digital

Hören/kaufen: trustinwax.com, Spotify, Apple Music, Amazon Music usw.