Rezension „Designprojekte gestalten“

„… damit Kreativität gewinnt – und sich auszahlt“

von Katrin Niesen, Verlag Hermann Schmidt, 2021

„Der Designalltag wird befriedigener, entspannter – und Respekt, Anerkennung und Arbeiten auf Augenhöhe wahrscheinlicher“ – nichts weniger verspricht das 160 Seiten starke Buch im Format 15 × 23,5 cm aus dem Hermann Schmidt Verlag. Wie alle Bücher des Verlags, ist es sehr geschmackvoll mit Sonderfarben, angenehmen Papier, Lesebändchen und einer schönen Gestaltung ausgestattet (und Cradle-to-Cradle-zertifiziert produziert). Aber hält der Inhalt, was die Form verspricht?

Die Autorin Katrin Niesen, Jahrgang 1971, arbeitete 25 Jahre als Kreative in führenden Design- und Branding Agenturen, unter anderem als  Executive Creative Director. Heute berät sie mit ihrem Team als „Das Kreative Studio“ inhabergeführte und mittelständische Unternehmen und gestalten Marken mit und für ihre Auftraggeber:innen. Sie kennt das Design-Business also „aus dem FF“ und aus unterschiedlichen Perspektiven. Und das merkt man dem Buch auch an: Es ist voller praxistauglicher Tipps und Anregungen, Workflows zu verbessern, Ideen zu entwickeln und zu präsentieren.

Designprozess in sechs Phasen

Den Designprozess gliedert Katrin Niesen in sechs Phasen, die sie ausführlich beschreibt und praxisnah erläutert:

  1. Projektplanung: Überblick gewinnen und behalten
  2. Design-Analyse: Erkenntnisse ableiten und Inspirationen gewinnen
  3. Ideenfindung: Die Grundlage für das Design entwickeln
  4. Gestalten: Entwerfen, verdichten und finalisieren
  5. Präsentieren: Kreativ und kompetent überzeugen
  6. Projektarbeit: Partnerschaftlich zusammenarbeiten

Dabei hat mich besonders der Bereich „Design-Analyse“ überzeugt. Katrin Niesen schließt hier eine Lücke. Denn viele der im Design verwendeten Prozessmodelle entstammen ursprünglich anderen Kontexten wie der Softwareentwicklung oder der PR-Arbeit und haben im Bereich Analyse andere Schwerpunkte als die Visualität. Hier bleibt oft nur bei Geschmacksfragen. Katrin Niesen strukturiert die Design-Analyse in vier Schritten:

  1. Beobachtung
  2. Wirkung
  3. Erkenntnis
  4. Wertung und Begründung

Dabei berücksichtigt sie auch unterschiedliche Projektgrößen und schlägt sinnvolle „Pakete“ von XS bis XL vor, was die „Verkaufbarkeit“ dieser wesentlichen Projektphase deutlich verbessert. Außerdem gibt sie sehr konkrete Tipps für die Vorgehensweise (zum Beispiel die „Ideensteckbriefe“) und die Aufbereitung und Präsentation der Ergebnisse. Hier spürt man die jahrelange Praxiserfahrung der Autorin.

Über den Designprozess hinaus behandelt sie noch die Themen „Routinen für den Design-Alltag“, „Umgang mit Kritik“, „Inspiration und persönliche Weiterentwicklung“ sowie „Akquise“ und „Designer sein“, die das Buch sinnvoll abrunden.

Empfehlenswert für alle Designenden

„Designprojekte gestalten“ richtet sich sowohl an Berufseinsteiger:innen, die hier ein überzeugendes Modell an die Hand bekommen, wie auch an Berufserfahrene. Hier kann das Buch Wissenslücken schließen, da Projektmanagement und ein strukturierter Designprozess in der Designausbildung (oft noch) keine große Rolle spielen. Selbst Kreative, die in größeren Unternehmen und Agenturen bereits mit existierenden Workflows und Prozessen umgehen müssen, finden hier sicher noch die eine oder andere sinnvolle Anregung für einen design-zentrierten Workflow.

Hilfreich: Auf design-projekte-gestalten.de gibt es Templates zum Download, um die im Buch vorgestellten Arbeitsweisen in den eigenen Arbeitsalltag zu integrieren.

Eine Rezension von Lena Weissweiler findet sich auf der Website des BDG Berufsverband Kommunikationsdesign.