Gastvortrag an der Münster School of Design

Wenn Präsentationen scheitern, liegt es oft nicht an den Ideen – sondern daran, dass das Publikum nicht versteht, warum sie relevant sind.
Darum ging es in meinem Gastvortrag „Präsentieren für Designer:innen“ an der FH Münster.
Junge Menschen bringen heute vieles selbstverständlich mit, was früher mühsam erlernt werden musste: den sicheren Umgang mit Tools, ein Gefühl für Visuals und Routine im Auftreten vor Gruppen.
Was häufig noch fehlt, sind andere Grundlagen des Präsentierens: Kontextverständnis, klare Dramaturgie und konsequente Priorisierung. Also die Fragen, die vor jeder Folie stehen sollten: Für wen spreche ich? Mit welchem Ziel? Und was soll am Ende wirklich hängen bleiben?
Diese Einschätzung speist sich aus zwei Perspektiven: aus der Agenturpraxis bei LIVING CONCEPT und aus der Lehre. Bis Anfang 2025 war ich 13 Jahre als Lehrbeauftragter tätig. In dieser Zeit habe ich vermutlich weit über 500 Präsentationen von Studierenden gesehen.
Die zentrale These des Vortrags: Präsentieren ist Handwerk. Und Handwerk wird durch Übung besser.
Hochschulen sind dafür ein besonderer Ort: ein geschützter Trainingsraum, um Präsentieren als Handwerk zu üben, Fehler zu machen und besser zu werden, bevor es im Berufsalltag ernst wird.
Deshalb ging es weniger um einzelne Tricks als um Bewusstsein. Präsentationen sind keine universellen Formate. Je nach Situation verändert sich alles – Hörsaal oder Meetingraum, große Gruppe oder kleiner Pitch, informieren, diskutieren oder überzeugen. Gute Präsentationen sind immer Antworten auf einen konkreten Kontext.
Ein paar Leitplanken aus der Agenturpraxis:
- klare Struktur (Einleitung, Hauptteil, Abschluss)
- maximal fünf Kapitel im Hauptteil
- eine Idee pro Folie
- ein klarer Takeaway am Ende
- Storytelling als Orientierung, nicht als Show
- Nervosität ist normal. Wirkung ist trainierbar.
Zum Abschluss habe ich die Studierenden gefragt: Wenn ihr euch nur drei Dinge merkt – welche wären das? Daraus entwickelte sich eine offene, sehr gute Diskussion über Erwartungen, Unsicherheiten und Lernkurven beim Präsentieren – und auch über den sinnvollen Einsatz von KI.
Besonders spannend war für mich, dass Kai Tenzer von Cyrano Kommunikation, der selbst einen Vortrag zum gleichen Thema gehalten hatte, als Zuhörer im Publikum war. Seine Perspektiven haben den Austausch bereichert, die wir im Anschluss mit unserem Gastgeber Jens Bülskämper noch weiter fortgeführt haben.